Hinterm Tellerrand soll's weitergehen... (Interview mit Marc Thiele von BeyondTellerrand und ex-FFK)
Die Welt von Flash und Co. ist "ein wenig" ins Wanken geraten. Allerhöchste Zeit mal ein wenig über den Tellerrand zu schauen. Mit wem kann man das besser, als mit Mr. BeyondTellerrand himself: Marc Thiele. Er scheut mit seinen Konferenzen keine Mühen und bringt stets spannende Menschen zusammen, die allesamt bereit sind ihr Wissen preiszugeben, um gemeinsam die Zukunft der Kreativszene zu gestalten. Ich habe mit ihm über die Zukunft der Flash Platform geplaudert und ihn ein wenig zu den anstehenden Konferenzen ausgequetscht. Doch lest selbst...
Simon Widjaja: Danke für die spannende Konferenz! Wie sieht es hinterm Tellerrand aus? Was sind die Trends, die man definitiv auf dem Schirm haben sollte?
Marc Thiele: Danke Simon. Ich freue mich sehr, dass die Konferenz so gut angekommen ist.
Puh. Trends… die kommen und gehen so schnell. Ich bin nicht wirklich jemand, der immer dem aktuellsten Trend hinterher läuft. Ich finde es wichtiger sich selber erst einmal zu finden. Und das am besten andauernd neu und immer wieder. Was dabei heraus kommt, wenn man Trends hinterher läuft sieht man an vielen aktuellen Entwicklungen. Was zum Beispiel wird nun genau aus Flash, wo Adobe den Fokus anders legt? Das fragen sich bestimmt einige. Auch das gefährliche Halbwissen vieler lauter Stimmen, die pauschale Aussagen zu HTML5 und Co treffen, ohne aber genau zu wissen, wovon sie reden. Nein. Keine Trends für mich. Dinge die mich interessieren sehr wohl. Und die habe ich versucht in die „beyond tellerrand – web“ zu packen, die gerade in Düsseldorf statt gefunden hat.
Simon Widjaja: Du bist ebenfalls der Kopf hinter der etwas Flash-Platform lastigeren FFK. Auf der Beyond Tellerrand spielte diese Technologieplattform keine wirkliche Rolle. Wie stehst Du zu dem etwas unerwarteten Kurswechsel von Adobe?
Marc Thiele: Das wurde ich in letzter Zeit häufig gefragt. Ich denke Adobe hat sich nicht wirklich geschickt angestellt, was die Ankündigungen und die Reihenfolge derselben, sowie die der Folge der Geschehnisse, wie der Entlassung vieler Mitarbeiter angeht. Auf so etwas haben doch nur alle die gewartet, die eh schon immer gegen Flash gewettert haben. Und nun hilft Adobe selber durch ungeschicktes News-Management und schlecht geschriebene Texte dem ganzen noch Feuer zu geben. Der Kurswechsel an sich kommt für mich gar nicht so sehr überraschend und jeder der die aktuellen Entwicklungen im Web verfolgt und sich da nur auf eine Technologie oder gar nur ein Werkzeug stützt, der hat wenig Weitblick bewiesen. Was ich echt schade finde ist, dass Adobe gerade jede Menge Menschen aus der echt großartigen Community um Flash vor den Kopf gestoßen hat. Das Vertrauen, was über lange Jahre aufgebaut wurde und was nun mit einem Schlag derbe erschüttert wurde gilt es nun wieder zu gewinnen. Schwere Arbeit.
Die FFK selber, die ja im Ursprung einmal „Flashforum Konferenz“ hieß entwickelt sich ja schon lange los gelöst vom Werkzeug Flash. 2007 haben wir die Konferenz erstmals „FFK“ getauft und in diesem Jahr habe ich das erste Mal „FFK“ nur noch als Untertitel genutzt. Das „beyond tellerrand“ der FFK habe ich, so denke ich, durch die Inhalte schon seit Jahren unterstrichen. Und dieses und kommendes Jahr dann eben auch nach außen im Titel. So wird die FFK ab 2012 nicht mehr FFK heißen, sondern auch unter dem Tellerrand-Dach beherbergt. Der Titel: „beyond tellerrand – play“ (oder kurz btplay). Somit hoffe ich, neben der „beyond tellerrand – web“, die im November stattfindet auch hier kreativ über den Tellerrand schauen zu dürfen. Einige Sprecher stehen schon fest und so viel sei verraten: Es sind einige Bekannte Namen dabei und man wird überrascht sein, womit sich ihre Vorträge beschäftigen.
Simon Widjaja: Ist HTML die Zukunft für Web und App, Desktop, Mobile und TV gleichermaßen?
Marc Thiele: Ich glaube, wenn ich dir darauf eine konkrete Antwort geben könnte, dann würde ich an anderer Stelle bestimmt viel Geld verdienen können. Kurz: Ich weiß es nicht. Alles entwickelt sich immer noch rasant schnell und Dinge die heute gelten sind morgen alt. HTML bietet eine große Schnittmenge für alle die sich mit den von dir angesprochenen Dinge beschäftigen. Daher macht es sicher Sinn sich damit auseinander zu setzen und keinesfalls die Augen davor zu schließen. Aber dennoch, so denke ich, wird es immer Spezialisten benötigen, die dann in Ihrem Spezialgebiet – sei es iOS oder Flash oder was auch immer in Zukunft – die gefragten Leute sein werden.
Simon Widjaja: Die FITC-Konferenz (Amsterdam) hat gerade erst eine neue Interpretation der Abkürzung bekannt gegeben. Das F steht also ab sofort nicht mehr für Flash. Man bekommt auch hier den Eindruck, dass eine weitere wichtige Institution der Flash Plattform den Rücken kehrt. Wie wirst Du mit der FFK auf diesen Wandel reagieren? Welche Themenschwerpunkte erwarten den Besucher im April?
Marc Thiele: Ja, das habe ich mit bekommen. Und es war absehbar. Schau dir doch einmal an, was im letzten Jahr passiert ist:
• Die Flashbelt ist nicht mehr Flashbelt, sondern heißt eyeo Festival und beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Processing und Co.
• John Davey gibt im letzten September auf der Flash on the Beach bekannt, dass das die letzte FOTB war und das er hofft, dass die Teilnehmer ihn auf seiner neuen Reise begleiten.
• Die FITC sucht (und findet) eine neue Bedeutung für die Abkürzung FITC. Das „F“ steht nun nicht mehr für Flash.
Und wer nicht ganz blind durch die Welt rennt wird auch mitbekommen haben, dass ich mit der letzten „FFK“ das FFK nur noch klein unter dem „beyond tellerrand“ stehen hatte (siehe die Titles dazu
http://vimeo.com/22140255). In Kürze geht die Website zum Event unter
http://play12.beyondtellerrand.com online. Man wird sehen, dass sich so viel gar nicht verändert. Es geht im Schwerpunkt, sagen wir einmal, immer noch um kreatives Programmieren. Nicht nur im Bezug auf generative Kunst, sondern natürlich auch mit Blick auf das alltägliche Arbeitsleben. Ein Call-For-Papers geht diese Woche noch raus, in dem wir wie gewohnt von der FFK die Leute um Themenzusendung bitten, bei denen Siemeinen, dass Sie für die rund 500 Teilnehmer der „beyond tellerrand – play“ interessant und spannend sind. Sonst heißt es wie bisher zwei spannende Konferenztage eingerahmt von zwei Tagen mit ganztägigen Workshops.
Ich hoffe das erläutert im Groben, wie und was im April passiert. Sollten Fragen offen sein, kann man mich jederzeit unter contact@beyondtellerrand.com erreichen oder folgt @btconf (
http://twitter.com/btconf) auf Twitter. Für Live-Fragen (sofern ich online bin) kann man auch gerne Skype nutzen: beyondtellerrand der Name.
Lieben Dank dir für das nette Interview und bis bald!


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